OB Feldmann und Kulturdezernentin Hartwig gratulieren Willy Praml in der Paulskirche zum doppelten Jubiläum

Bei einer Feierstunde am Dienstag, 21. Dezember, in der Paulskirche haben Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig vor rund 200 geladenen Gästen dem Frankfurter Theatermacher Willy Praml zum 80. Geburtstag und zum 30-jährigen Bühnenjubiläum mit seinem Theater Willy Praml gratuliert.
 
Oberbürgermeister Feldmann sagte: „Seit mehr als fünfzig Jahren bereichert Willy Praml mit seinen experimentellen und raumgreifenden Inszenierungen die Frankfurter Theaterlandschaft und hat mit der Naxoshalle einen einmaligen Kulturort geschaffen, der allen Interessierten offensteht. Gleichzeitig treffen hier Generationen der freien Szene aufeinander, seitdem Willy Praml mit dem studioNAXOS jüngere Theatermacherinnen und Theatermacher in die Naxoshalle holte und gemeinsame Projekte verwirklichte. Für seine Arbeit und für diesen besonderen Ort in Frankfurt gebührt Willy Praml mein aufrichtiger Dank.“
 
Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Hartwig ging in ihrer Laudatio auf die einmalige Verbindung von Willy Praml und dem Theater ein: „Ein Leben ohne Theater ist möglich, aber sinnlos – ein Leitsatz, den Willy Praml lebt. Er hat das Theater nie als reinen ‚Musentempel‘, als Rückzugsort für gut betuchtes Publikum, verstanden, sondern hat es vernetzt, mit unterschiedlichen Formaten geöffnet und von Beginn an alle Bevölkerungsschichten zum Mitmachen eingeladen. Willy Praml ermöglicht mit seiner Passion gelebte gesellschaftliche Teilhabe. Daher hat nicht nur Willy Praml in diesem Jahr etwas zu feiern, sondern auch die Kulturstadt Frankfurt.“
 
Die Feierstunde wurde von Gregor Praml am Kontrabass und Vassily Dück am Akkordeon begleitet. Filmausschnitte zeigten Teile der Inszenierung von Goethes Faust I und II, die Willy Praml 1994 mit Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern in der Paulskirche aufführte.
 
Der Jubilar sagte: „Nach 80 Lebens-Theater-Jahren, 50 davon in und von Frankfurt ausgehend und 20 mit eigener Spielstätte in der denkmalgeschützten Naxoshalle, wird mit der Ehrung in der Paulskirche nun auch das Ende der Ära Willy Praml und der Übergang in die neue Ära verbunden sein, die von der künstlerischen Leitung des Mitbegründers des Theaters, Schauspielers und jetzt Regisseurs Michael Weber geprägt sein wird. So sei der Stadt Frankfurt am Main gedankt für die Behausung einer Theaterarbeit, die hoffentlich auch weiterhin dazu beitragen kann, den kulturellen Ruhm der Stadt zu mehren und zu vertiefen.“
 
Praml wurde 1941 in Landshut geboren. Von 1961 bis 1968 studierte er Geschichte, Geografie und Germanistik an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Von 1971 bis 2000 war er Mitarbeiter für Theater- und Kulturarbeit an der Hessischen Jugendbildungsstätte in Dietzenbach, von 2000 bis 2006 Dozent an der Frankfurt University of Applied Sciences. Schon 1968 begann Praml, freies Theater zu machen. Neben seiner Arbeit mit professionellen Theaterschaffenden entwickelte Praml auch immer wieder Projekte mit Laien, insbesondere mit Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten. 1991 gründete er das Theater Willy Praml in Frankfurt. Seit dem Jahr 2000 hat das Ensemble eine feste Spielstätte in der Naxoshalle im Frankfurter Ostend und hat zuletzt 2021 eine institutionelle Förderung über 85.000 Euro für das Ensemble Willy Praml sowie 188.500 Euro für die Spielstätte Naxoshalle erhalten.
 
Die Produktionen in der ehemaligen Industriehalle aus dem 19. Jahrhundert zeichnen sich durch opulente Inszenierungen und große Spielfreude aus und greifen zumeist Themen aus verschiedensten Kontexten auf. Dem Theatermacher Praml ist es seit jeher ein zentrales Anliegen, ästhetische und soziale Fragen zu verbinden und neue Perspektiven auf die aktuellen Geschehnisse Zeit zu entwickeln. Dabei werden Fragen nach der Gesellschaft, neuen Erfahrungen und ästhetischen Traditionen sowie dem Theater als Ort der gesellschaftlichen Auseinandersetzung behandelt. 2011 wurde Praml mit dem Binding-Kulturpreis ausgezeichnet.

Foto: Salome Roessler